Schulbezogene Jugendarbeit aus der Perspektive einer Praktikantin

Gretl-Beutel

Es ist zwei Jahre her, dass ich mein Abiturzeugnis in den Händen hielt und meinem Schülerinnendasein für immer Lebewohl sagte. Manchmal kommt es mir lang her vor, wie eine Sache, hinter die ich mein Häkchen gesetzt habe und die für mich längst erledigt ist, aber ab und an ist es mir, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich 15 war und das Bedürfnis verspürte, mich bei irgendwem über die Ungerechtigkeit meiner Physiklehrerin und der ganzen Welt zu beschweren. Ich kann mich gut hineinversetzen in die stressbeladenen letzten Pausen vor einem Test, an die Müdigkeit in der ersten Mathestunde morgens um 8 und an die alltäglichen Schulhofrivalitäten.

Es ist noch nicht so lange her. - Jetzt bin ich wieder an die Schule zurückgekehrt, denn ich verbringe mein sozialpädagogisches Praxissemester (das 4. Semester, wenn man wie ich in Moritzburg „Religionspädagogik mit sozialarbeiterischem Profil“ studiert) unter anderem in der Schulsozialarbeit des Gymnasiums Bürgerwiese. Dort gibt es einen Raum, „Gret‘l“ genannt, den einige SchülerInnen als ihren persönlichen „Freiraum“ angenommen haben: frei von SchülerInnen-LehrerInnen-Konstellationen und frei von Leistungsdruck (theoretisch, aber was soll ich sagen, den bringen sie immer irgendwie mit). Dort verbringe ich viel Zeit. Nachmittags kochen wir regelmäßig gemeinsam, oder wir spielen gnadenlos Ligretto, versuchen, das Prinzip von Bohnanza zu verstehen, es wird Basketball gespielt, Fußball oder Wikingerschach, ab und an versuche ich, meine verschollenen Mathefähigkeiten (die ich ehrlich gesagt nie wirklich hatte, aber ich beiße mich durch) zu aktivieren, um jemanden bei den Hausaufgaben zu helfen.

Hier soll es nicht um unsere Pläne für pädagogisch möglichst wertvolle Nachmittagsgestaltung gehen, denn die SchülerInnen verbringen ihre Nachmittage sowieso schon zwischen Judotraining und Chorprobe, Schulbüchern und Saxophonunterricht. Stattdessen ist das, was die Gret’l ausmachen soll, Selbstbestimmung. Manchmal sitzen wir einfach nur kollektiv auf dem Sofa und ich lasse mir erklären, was das Ziel von Clash Royale ist. Ich wurde in die bunte, mitunter frustrierende Welt von Ubongo eingeführt, bin auf dem neuesten Stand der aktuellen Internettrends und Smartphonegames und manchmal, wie nebenbei, erzählen mir die Jugendlichen von sich. Oder von ihren Eltern, Geschwistern, Großvätern, Lehrern, Tanten und Freunden, Ex-Freundinnen und heimlich Verehrten. Oder auch einfach von dem Film, den sie gestern Abend gesehen haben. Nebensächlichkeiten gibt es hier nicht.

Vormittags machen wir regelmäßig Klassentrainings, das heißt, wir bereiten gruppenfördernde Spiele oder erlebnispädagogische Übungen für eine Klasse vor, bestehend aus einem Warm-Up, der Hauptübung und anschließend einer Reflexionsrunde. Eine fünfte Klasse war hellauf begeistert von dem Eisschollenspiel, bei dem jedeR auf einem kleinen Stück Pappe steht und sie gemeinsam versuchen müssen, auf die rettende Insel (bestehend aus einer Decke) in die Mitte zu kommen. Dabei ist das Spiel erst gewonnen, wenn wirklich alle „in Sicherheit“ sind. Einige haben sich selbst stolz als „Rettungskommando“ bezeichnet, während sie mit ihren Eisschollen noch einmal losgezogen sind, um auch die letzten SchülerInnen auf die Insel zu holen.

Unser Terminplan an der Tafel im Büro füllt sich von Woche zu Woche schnell. Da sind Einzelgespräche mit SchülerInnen oder auch Eltern, Beratungsgespräche mit LehrerInnen, Schulkonferenzen, Planungstreffen, Dienstberatungen und Mediationen, besagte Klassentrainings, außerdem gibt es den Arbeitskreis „Wir denken bunt“ (der sich für Begegnung mit Geflüchteten engagiert und z.B. gemeinsame Kochaktionen organisiert), Fach-AG-Sitzungen und immer wieder „Gret‘l-Dienst“. Es ist abwechslungsreich; das gefällt mir.

Das Team der Schulsozialarbeit am Gymnasium Bürgerwiese ist trägerübergreifend und besteht aus Wieland Köhler, angestellt bei der Evangelischen Jugend Dresden, und einer weiteren Sozialarbeiterin. Diese wird die Schule allerdings, genau wie ich, zum Ende des Schuljahres verlassen.

 Apropos verlassen, auch, wenn mein Praktikum zu Ende geht, ist das nicht das Ende meiner „Schullaufbahn“. Ich kehre später mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder an eine Schule zurück, wenn ich mein Studium beendet habe: Als Religionslehrerin. Ich will mir nichts vormachen; meine Rolle wird eine andere sein, als sie jetzt ist. Ich werde eingeschränkt sein durch den Lehrplan; er wird mich zwingen, meine SchülerInnen immer ein Stück weit an ihrem Wissen zu messen. Trotzdem, oder gerade deshalb, bin ich dankbar, dass ich hier die Möglichkeit hatte, die sozialpädagogische Sicht auf Schule kennenzulernen: Sie schaut auf die Kinder und Jugendlichen an sich, auf ihre Ziele und ihr Wesen, ohne Verantwortung für ihre Leistungen oder ihren Wissenstand zu haben. Und an die Erfahrung dieser Perspektive möchte ich mich erinnern.

Veranstaltungshinweise

STOP AND DROP

Ein Gottesdienst für Jugendliche, die ihren Sonntag auf besondere Weise ausklingen und gestärkt in die neue Woche starten möchten.

Veranstaltungsdetails

Nacht der Lichter

Ein Abendgebet mit Gesängen aus Taize. Am 21.11.17 um 20.00 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche.

Veranstaltungsdetails

Adventsjugendgottesdienst

Alle Jahre wieder.  Adventsjugendgottesdienst.

Am Sa, 2.12.2017 um 20 Uhr in der Kreuzkirche

Veranstaltungsdetails

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