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Vögel am Jugendzentrum Jugendkirche

Seit über 30 Jahren engagiert sich das städtische Umweltamt sowie einige Akteure für den Erhalt
und Schutz gebäudebewohnender Tierarten in Dresden. Die sogenannten Kulturfolger beziehen
Nist- und Fortpflanzungsstätten an menschlichen Bebauungen.
Zu den typischen gebäudebewohnenden Tieren gehören Turmfalke, Schleiereule, Schwalben,
Haussperling, Hausrotschwanz und einige Fledermausarten, wie die Zwerg- und Zweifarbfleder-
maus.
All diese Tiere sind infolge Abbruch- und Sanierungsmaßnahmen durch den Verlust ihrer Quar-
tiere und Niststätten betroffen, obwohl sie alle besonders und streng geschützt sind. Um die
Gebäudebewohner zu unterstützen, kann man künstliche Nisthilfen anbringen, wie es hier an der
Trinitatiskirche geschehen ist.

Größere Glasscheiben, die durchsichtig sind oder Bäume sowie Artgenossen der unmittelbaren
Umgebung spiegeln, sind für Vögel nicht mehr als Hindernis erkennbar. Infolgedessen fliegen
Vögel dagegen, verletzen sich oder sterben sogar.
Alle europäischen Singvogelarten sind gesetzlich geschützt und es gehört zu unseren Aufgaben,
Beeinträchtigungen von ihnen fernzuhalten. Das Thema Vogelkollision an Glasflächen ist in den
vergangenen Jahren immer mehr ins Bewusstsein gerückt und wird in Dresden bereits vielerorts
bei Bauvorhaben berücksichtigt.
Zur Reduktion der Kollisionsgefahr kann man Glasscheiben mit verschiedenartigen Markierungen
versehen, damit Vögel das Hindernis wieder wahrnehmen können. Es wird unterschieden zwischen
weniger und hochwirksamen Markierungen an Glasflächen. Die allseits bekannten Vogelsilhouet-
ten, vereinzelt an Scheiben aufgeklebt, sind zum Beispiel völlig nutzlos. An der Trinitatiskirche
können wir sowohl an den Fensterscheiben als auch am Glaskubus ein Punktmuster erkennen. Die
relativ unscheinbare Gestaltung wurde als hoch wirksame Markierung getestet.
 

Dohle (Coloeus monedula)
Ein schwarzes bis dunkelgraues Gefieder sowie ein hellgrauer Nacken und Wangen zeichnen das Erscheinungsbild der Dohle aus. Beim näheren Betrachten fallen die Augen mit heller Iris auf.
In ihrem Wesen sind diese Tiere sehr sozial, gesellig und vor allem
neugierig. Die Dohle gehört zur Gruppe der Rabenvögel, ist in
ihrer Größe allerdings mit Eichelhäher oder Taube vergleichbar.
Dohlen nutzen bevorzugt Hohlräume und Nischen an Gebäuden als Brutplatz, selten sind sie noch in
Baumhöhlen anzutreffen. An der Trinitatiskirche wurden versteckt hinter den Rundfenstern der östli-
chen Turmhauben Nistkästen für Dohlen montiert. Wenn möglich, brüten die Vögel vergesellschaftet
in Kolonien. Im April bis Mai werden meist 5 Eier abgelegt, die knapp 20 bebrütet werden. Nach 5-6
Wochen sind die Jungvögel flügge. Dohlen sind Allesfresser, ihr Futter suchen sie im 1-5 km Umkreis um
deren Brutplatz auf Flächen mit niedriger Vegetation, während der Jungenfütterung benötigen sie über-
wiegend proteinreiche Nahrung.
In Dresden gibt es insgesamt zirka 15 Brutpaare der Dohle.

ausrotschwanz
Phoenicurus ochruros)
Vom Gebirge her zog es den Hausrotschwanz in den Siedlungsraum.
Dort brütet er bevorzugt versteckt in Nischen oder kleinen Öffnungen an Gebäuden. Den kleinen schlanken Vogel erkennt man beim Ansitzen am Wippen mit seinen namensgebenden roten Schwanz,
dem Einknicken der Beine und den klackernden bis zischenden Rufen.
Die Brutzeit des Hausrotschwanzes dauert von April bis ca. Mitte August. Dabei finden auch Zweit- und
Drittbruten statt, wobei durchschnittlich 5 Eier gelegt werden. Diese werden circa zwei Wochen bebrü-
tet und die Jungen anschließend bis zu 19 Tagen gefüttert. Hausrotschwänze sind zwar standorttreu,
aber bauen ihr Nest jedes Jahr an einer neuen Stelle.
In Dresden schwankt der Bestand vom Hausrotschwanz zwischen 2100 bis 4200 Brutpaaren jährlich. Die
Vogelart ist durch Quartierverlust infolge von Sanierung und Abbruch beeinträchtigt. Zur Unterstützung
kann man sogenannte Nischenbrüter- oder Halbhöhlenkästen anbringen.

Turmfalke (Falco tinnunculus)
Ein rostrotes Gefieder und der charakteristische Rüttelflug sind die Merkmale des Turmfalken. Die Männchen tragen zudem eine blaugraue Färbung des Kopfes, womit man sie gut von den Weib-
chen unterscheiden kann. Der Turmfalke gehört zu den häufigen Greifvogelarten und brütet vornehmlich in Nischen an hohen Gebäuden und Felsen, aber nutzt auch Nester anderer Arten, wie
z.B. der Elster. Obwohl das Brutgeschehen des Turmfalken erst im April beginnt, ist er bei uns oft ganzjäh-
rig zu beobachten sofern er ausreichend Nahrung findet. Diese besteht aus Mäusen, aber euch Eidech-
sen und Insekten, die er im schnellen Stoßflug auf freien Flächen, wie z.B. Wiesen, erbeutet.
Um den Bestand zu sichern, hat man in Dresden viele Hochhäuser und städtische Gebäude mit Nist-
kästen für den kleinen Greifvogel bestückt. Jedes Jahr werden etwa 60-160 Brutpaare im Stadtgebiet
gezählt.
An einigen Turmfalken-Nistkästen wurden Webcams installiert, welche uns einen exklusiven Blick in die
Privatsphäre der Falkenaufzucht gewähren. Wie es an der Trinitaskirche zugeht, kann man hier beobach-
ten: (siehe QR-Code)

Mauersegler (Apus apus)
Im schnellen wendigen Flug und mit markanten „sri-sri“-Rufen
saust der Mauersegler in den Sommermonaten über den Dä-
chern der Stadt. Optisch ähnelt er den Schwalben, mit denen er
häufig verwechselt wird. Mit seinen langen schmalen Flügeln ist
der Segler perfekt für ein Leben in der Luft angepasst, wo er nach
Nahrung sowie Nistmaterial sucht und sogar schläft.
Der Langstreckenziehen ist in unseren Breiten nur während seiner Brutzeit von Mai bis August zu beob-
achten. Seine Niststätten sucht der Mauersegler bevorzugt an hohen Gebäuden aus, wo er in Nischen
und Mauerlöchern auch gerne Nester anderer Singvögel zur eigenen Brut nutzt. Sein Gelege besteht aus
2 bis 3 Eier, die je nach Witterung 2-3 Wochen bebrütet werden. Nach ungefähr 40 Tagen sind die jungen
Mauersegler flügge.
In Dresden hängen insgesamt 20.000 künstliche Nisthilfen, welche von den Vögeln sehr gut angenom-
men werden. Aktuell geht man von 4.000-6.000 Brutrevieren des Mauerseglers im Stadtgebiet aus. In-
sofern hat man mit Installation der Nistkästen maßgeblich zum Gesamtbestand der Lokalpopulation
beigetragen und sie stabilisiert, während sie in vielen anderen Region abnimmt.